Finanzierung
Traditionelle und neue Brauereien geraten in wirtschaftliche Turbulenzen
2025-03-21

In den letzten Jahren hat sich das deutsche Biermarktsegment deutlich verändert, was besonders in Hessen spürbar wird. Der Deutsche Brauer-Bund berichtet von einem Rückgang der Braustätten im Bundesland: Im Jahr 2024 wurden nur noch 71 Betriebe gezählt, fünf weniger als im Vorjahr. Diese Entwicklung betrifft nicht nur junge Start-ups, sondern auch etablierte Familienbetriebe, die aufgrund steigender Kosten und sinkender Absatzraten Schwierigkeiten haben. Während die Anzahl an Brauereien insgesamt seit den 1990er Jahren gestiegen ist, zeigt sich nun eine Abwärtsbewegung, die durch den allgemeinen Verbrauchsrückgang gefördert wird.

Die aktuelle Situation im deutschen Brauereisektor lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. In Hessen wurde ein signifikanter Rückgang der Braustätten registriert, wobei traditionelle Unternehmen sowie neu gegründete Craft-Bier-Marken gleichermaßen betroffen sind. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Schließung der Binding-Brauerei in Frankfurt, eines über 150 Jahre alten Unternehmens, das zur Radeberger Gruppe gehörte. Auch das innovative Start-up Knärzje, bekannt für sein nachhaltiges „Zero-Waste-Bier“, musste Insolvenz anmelden. Die Gründe liegen laut Experten in steigenden Produktionskosten, sinkenden Umsätzen und einer gewissen Nachlassigkeit bei Kunden gegenüber nachhaltigen Produkten.

Der Trend ist nicht allein auf Hessen beschränkt, sondern zeigt sich bundesweit. In den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der Brauereien deutschlandweit um etwa 90 auf rund 1460. Obwohl es in den letzten drei Jahrzehnten einen Boom gab, insbesondere unter den kleinen Craft-Bier-Brauereien, scheint dieser nun nachgelassen zu haben. Christian Weber, Präsident des Deutschen Brauer-Bunds, weist darauf hin, dass sowohl Gründer als auch alte Familienbetriebe gleichermaßen betroffen sind. Zudem werden neue Gründungen immer seltener, da viele Unternehmer vor der Unsicherheit der Wirtschaftskonjunktur zurückschrecken.

Auf dem Markt selbst ist ebenfalls eine Verschiebung erkennbar. Die Gesamtproduktion von alkoholischen Biern reduziert sich kontinuierlich, während alkoholfreie Sorten immer beliebter werden. Statistiken des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass der nationale Bierkonsum im Jahr 2024 um zwei Prozent gesunken ist, mit nur 6,8 Milliarden Litern verkauftem Bier – ein Tiefpunkt seit 1993. Alkoholfreies Bier dagegen entwickelt sich weiterhin positiv, sodass es bald einen zehnten Anteil am gesamten Biermarkt erreichen könnte.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt Hoffnung bestehen. Neue strategische Kooperationen könnten helfen, etablierte Marken wie auch jüngere Start-ups wieder stärker ins Rampenlicht zu rücken. Es bleibt abzuwarten, ob Tradition und Innovation gemeinsam Wege finden werden, um den deutschen Brauereimarkt neu zu beleben und zukunftssicher zu gestalten.

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